Kleiner Ratgeber für (zukünftige) Kommentarschreiber




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Kleiner Ratgeber für (zukünftige) Kommentarschreiber

Beitragvon papillon00 » 19.12.2009, 00:42

Kleiner Ratgeber für (zukünftige) Kommentarschreiber


Vorab:
 
Ich bitte jeden eindringlich, das Ganze hier zu sehen, wie es sein soll: eine kleine ironische und nicht allzu ernst zu nehmende Karikatur dessen, was am Wichtigsten für jeden Autor ist: Der Kommentar.
Hand auf Herz! Wer hat noch nie einen Kommentar von jemand Anderem gelesen und genau das dabei gedacht, was gleich folgt?
Und/oder es nicht schon zigmal selbst getan?
 
Auch ich kann mich dem nicht entziehen. Dies ist nur ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl, nicht alles im Leben so bierernst zu sehen.
 
Es soll auch keine Aufforderung sein, KEINE Kommentare mehr zu schreiben, denn das ist es, was uns Autoren am Leben… ähm Tippen hält. Euer Feedback! Sondern eher animieren, öfter mal zu schreiben, vielleicht oder besonders aus dem einen Grund: Weil sich der Autor darüber freut (na ja, ok, vielleicht freut er sich nicht immer, kommt ja drauf an).
Und ich persönlich freue mich jedes Mal über einen, egal welcher Typus es ist *ggg* (mit Ausnahme einer Untergruppe *kicher*)
Haltet euch den Spiegel vor die Nase und nehmt nicht alles zu ernst, vor allem nicht mich. Ich tu es ja auch nicht ;-)
 

Kleiner Ratgeber für (zukünftige) Kommentarschreiber



Zunächst einmal solltest du überlegen, zu welchem Kommentarschreiber-Typ du vermutlich gehörst, die ich hier in vier Hauptgruppen unterteile.



1. Freundschaftskommischreiber

2. ‚Ich schreib dir, dann schreibst du mir’ - Typ

3. ‚Ich schreib zu allem meinen Senf’ - Typ

4. Echter Kritiker




1. Freundschaftskommi:

Der wohl häufigste und beliebteste aller Kommentare.

Du kennst den Autor persönlich und bist gut mit ihm befreundet? Seine Geschichten interessieren dich eigentlich weniger, aber du willst es dir nicht mit ihm verderben, weil er/sie sich sonst gekränkt fühlt? (Natürlich darfst du auch ehrlich an diesen interessiert sein, dann mixt du deine Form einfach mit Typ 2 oder 3)

In dem Fall ist dies hier deine Art von Kommentar:

Lesen der Story ist in den meisten Fällen, dank eines einfachen Tricks überflüssig. Benutze in erster Linie beliebte Floskeln wie:

-"geil", wahlweise "geilöööö", oder auch "geiiiil"
-"mach weiter", "weita", "weidaaaaaaa"
-"mehr", "jaaaa", oder "Suuuuuuper"


Hierbei kommt es vor allem auf die Betonung an, je mehr unsinnige Vokale, desto besser.
Vergessen darfst du auch nicht die Ausrufezeichen. Diese sind in großer Anzahl anzubringen und gehen meist vorbehaltlos in eine Eins über, damit gaukelst du dem Verfasser vor, als begeisterter Freund irgendwann sogar vergessen zu haben, die Shift Taste zu drücken. Das drückt tiefste Verzückung aus und lenkt darüber hinweg, dass du den Inhalt eventuell gar nicht kennst.
Verbinde das alles mit einem: Du bist der/die Beste, Größte, Schönste, etc. Dabei ist auch nicht wichtig auf Rechtschreibung zu achten, vermutlich hat der Autor es ja auch nicht.

Natürlich darf das Ganze unterstrichen werden mit Liebesbekundungen, wie *knuddel* oder, wenn du deine fremdsprachlichen Fähigkeiten unter Beweis stellen willst, ein freundliches *hug* - die Hardcorer nehmen auch ein *bussi* oder, wenn sie es eilig haben ein *hdl* , der Fantasie der Liebesbekundungen sind dabei keine Grenzen gesetzt und nehmen den größten Stellenwert ein.

Auf keinen Fall solltest du vergessen, deinen Kommentar mit allerlei Smilies auszuschmücken, das überbrückt die Länge des Posts und sieht nach mehr aus. Die Fortgeschrittenen unter euch füllen ihn auch mit allerlei Nebensächlichkeiten, um von der eigentlichen Story abzulenken, Hauptsache es sieht am Ende nach viel und wichtig aus.
Ganz Ausgefuchste nehmen die Return Taste und drücken gleich noch mal Enter, das verschafft dem Freund einen Doppelkommi und somit einer größere Zahl an Feedback.

Zu dem Freundschaftskommischreiber gehört auch die Untergruppe der unterwürfigen Kriecher.
Du schreibst Kommentare zu den Stories deines Vorbilds, weil du
a) dir einen gewissen Vorteil daraus erhoffst,
b) der Autor dich im Fall, dass du es tatsächlich wagen solltest, KEINEN Kommi zu hinterlassen, mit Verachtung und beleidigtem Schmollen straft,
c), du dir sicher bist, dass besagter Autor nie wieder ein Wort mit dir wechseln wird, wenn du seine/ihre Story nicht in den höchsten Tönen lobst
(nicht zu verwechseln mit Typ 2)

In dem Fall ist aber auch wie oben angegeben zu verfahren, mit besonderem Augenmerk auf die Genialität des Autors, die man besonders farbenfroh ausschmücken darf.


Typ 1 wird häufig mit Typ 2 variiert, kann aber auch mit den anderen Typen vermischt werden, die Übergänge sind da eher fließend.



2. ‚Ich schreib dir, dann schreibst du mir’

Ebenfalls eine sehr verbreitete und gerne genutzte Form der Kommentargebung.

Beachten solltest du hier, dass zumindest im Ansatz auf die Story eingegangen werden sollte. Einfaches Überfliegen reicht aber meistens völlig aus. Kurze Zitate, frei aus dem Text kopiert, unterstreichen das Interesse an der Fanfiktion und lassen den Autor glauben, man habe die Story als positiv empfunden.

Dein Hauptanliegen ist hier natürlich, dass du den Autor dazu animierst, auch bei deinen Geschichten zu kommentieren. Geht in den meisten Fällen auch auf und es folgt ein reger Kommentarwechsel.
Aufpassen solltest du allerdings, dass du keine der Teile verpasst, ansonsten ziehst du dir den Unmut des Anderen zu, der daraufhin evtl. auch mal ein Feedback vergisst.

Als Typ 2 Schreiber beendest du meist deinen Post mit einem "LG", "Grüß dich" und/oder deinem richtigen Vornamen. Das klingt unverfänglich und nett; geht später auch oft fließend mit Typ 1 ineinander, du brauchst dich da auch nicht so festlegen und darfst gerne probieren, welche Art von Kommentar dir besser liegt.

Allgemein wird vermutet, dass diese beiden Gattungen sowieso schon praktisch eine eigene Art Mischtyp bilden.




3. ‚Ich schreibe zu allem meinen Senf’

Bei Autoren sehr beliebt und geschätzt: Der Dauerschreiber.

Du hast zu allem eine vorzugsweise positive Meinung, bettelst um Fortsetzung und liest in den meisten Fällen tatsächlich die gesamte Story? Du liebst es zu allem und jedem deinen Standpunkt abzugeben und kannst über kleinere Fehler im Satzbau, Stil etc. hinwegsehen?

Nicht besonders anspruchsvoll, hinterlässt du bei dieser Art meist eher kurz gehaltene Kommentare, die sich auf das Nötigste beschränken. Auf Floskeln wie unter den beiden oberen Typen am Ende des Posts kannst du gerne verzichten, es sei denn, du experimentierst mit diesen, wobei das aber keinen großen Unterschied ausmachen wird, da du ja sowieso zu allem was zu sagen hast.

Kombinationen mit Typ 4 sind zwar möglich, werden aber eher selten genutzt und wurden in den letzten Jahren auch nicht mehr gesichtet.

Ich möchte auch noch auf eine seltenere Untergruppe dieses Typus eingehen, den ‚gemeinen Nörgler’.

Du findest grundsätzlich mindestens einen Rechtschreib- oder Formfehler; weißt genau, wo ein bestimmter Chara OOC ist und bemängelst notfalls den Stil, die Wortwahl, oder stöhnst über zuviel Klischee, solltest du sonst nichts finden? Dich kotzt es an, wenn eine Geschichte in den Himmel gelobt wird, obwohl der Verfasser nicht Hemmigway heißt?

Dann ist dies dein passender Typ. In diesem Fall bist du sicher selten Autor und wenn, dann mixt du deine Kommentare mit Typ 2 oder bist in einem anderen Fandom.

Deine Kommentare sollten kurz, prägnant und hochgestochen klingen. Vernichtende Urteile über Stil, Rechtschreibung und Zeiten sind erforderlich. Gute Ratschläge sind erlaubt, aber nicht verpflichtend. Letztendlich ist es ja sowieso nur dein Ziel, den Autor so zu verschrecken, dass er nie wieder wagt, deine Augen mit seinen Tippkünsten zu beleidigen.



4. Echter Kritiker

Eine aussterbende Form des Kommentarschreibers.

Du schreibst ehrlich deine Meinung und nimmst keine Rücksicht darauf, ob es dem Autor gefallen könnte oder nicht? Befasst dich intensiv mit der Story und setzt sich damit auseinander? Es macht dir nichts aus, wenn unter deine berechtigte Kritik auch Freunde fallen, bzw. du jugendliche Schriftstellerträume zerstörst? Du kannst einem ohne Neid erklären, dass er vermutlich ein aufstrebendes Talent am Fanfiktion-Himmel ist?
Im umgekehrten Fall, macht es dir nichts aus, dass dir Drohbriefe ins Haus flattern, nur weil du die Empfehlung gibst, das schriftstellerische Talent auf das heimische Tagebuch zu verwenden?
Ja, dann könnte dies hier genau dein Typ sein.

Gelegentlich wird er mit Typ 3 verwechselt, aber das gibt sich bei genauerem hinsehen. Mischungen mit Typ 1 sind ebenfalls möglich. Er zählt zu einer besonders bedrohten Art, da er bei den Autoren nicht immer geschätzt wird und stirbt langsam aus, da er von den vorherrschen Typen dominiert wird.

Nimm in deinen Stellungnahmen Bezug auf Texte und Inhalte. Deine Kritik, ob positiv oder negativ, ist fundiert und wird sehr gewählt ausgedrückt. Eher zurückhaltend, gibst du aber nicht zu allem deine Meinung ab, sondern beschränkst dich auf das Wichtigste. Beenden solltest du deinen Post mit deinem Nicknamen, wobei auch ein ‚freundlicher Gruß’ vorangesetzt werden kann.



Gerüchten zufolge wird praktisch jeder Kommentarschreiber als Typ 4 geboren und mutiert früher oder später zu 1. oder 3.



Im Anschluss darf gerne getestet werden, zu welchem Typus du gehörst ;-)

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Dieser Text stammt aus Angeloi's Feder, die so nett war, dies den Perlentauchern zur Verfügung zu stellen. Danke!
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With grace in your heart and flowers in your hair

~
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von Anzeige » 19.12.2009, 00:42

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Beitragvon AbraCadaver » 11.01.2010, 04:50

Boah wie geil !!!!

:mrgreen: :D :mrgreen:

(So bin ich jetzt Typ eins?)


oder eher Typ 2:
Hey, find ich klasse wie Du das hier geschrieben hast. Ich schreibe auch gerne witziges schau doch einfach mal vorbei: http://www.fanfiktion.de/u/AbraCadaver
ok?

Naja, nee musst nicht, wollt eigentlich nur mal meinen Senf loswerden. Hier wurde ja eh noch nichts dazu geschrieben^^

Typ 4 ist toll, aber leider leider fehlt mir dafür die Zeit. da bin ich wohl doch eher Typ 5: "Stets bemüht"
Ich lese die Geschichten und mache mir Notizen dazu. Da ich ungern halbe Sachen mache, nehme ich mir vor das Kommentar nochmal schön auszuformulieren und zu posten. Bevor ich es forumuliere, bemerke ich, dass mir die Zeit davon läuft und dann lass ichs doch sein...
Bin zur Zeit inaktiv.
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Re: Kleiner Ratgeber für (zukünftige) Kommentarschreiber

Beitragvon DeepBlueWater » 14.01.2010, 23:58

Ja, das ist voll lustig beschrieben

Hm, ich bin eher so ne Mischung von Typ 3 und 4, allerdings schreibe ich einer Freundin auch Typ 1 Reviews (les mir aber trotzdem immer das ganze durch)
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Re: Kleiner Ratgeber für (zukünftige) Kommentarschreiber

Beitragvon Lyrah » 16.01.2010, 17:18

Hach, einfach schööööön gemacht, Angeloi. :D :thumb:
Und ich finde, der Sarkasmus klingt so klar durch, dass sich hier eigentlich niemand angegriffen fühlen dürfte. Es sei denn vielleicht, er/sie ist in der Tat ein ganz miserabler Typ123... :lol:

Die Sache mit dem aussterbenden Typ gibt einem ja wirklich zu denken. Andererseits bin ich nicht so sicher, ob da wirklich viele als Typ 4 ~geboren werden und dann das Ufer wechseln. Bei mir war es, denke ich, eher ein wenig die umgekehrte Richtung, obwohl ich mich jetzt auch nicht als Typ 4-Schreiber loben würde... wenn, dann eher eine Mischung aus Typ 3 und 4. :mrgreen:

Der kleine Ratgeber ist auf jeden Fall äusserst lesenswert und passt wunderbar hierhin. Vielen Dank!
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Re: Kleiner Ratgeber für (zukünftige) Kommentarschreiber

Beitragvon Tala-Aponi » 06.02.2010, 16:58

Cool :D

Ich weiß nicht recht,wohin ich jetzt gehöre. Hmmm... Am Anfang war ich wahrscheinlich Typ 1 oder 2,aber mittlerweile bin ich zu einem ganz schönen Kritker geworden. *umschau und vor mir selber Angst hab*
Ich glaube auch das der Typ 4 ausstirbt. Zwar freut sich jeder über die Reviews: "Ach deine Geschichte ist so toll,schreib schnell weiter usw." Aber es hilft nicht wirklich viel. Tja...
:D
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Re: Kleiner Ratgeber für (zukünftige) Kommentarschreiber

Beitragvon Harryo » 28.02.2010, 12:56

Ich glaube mal, ich gehöre zu Typ 4 - Aber weil mein Mathelehrer immer sagt: 'Glauben tut man nur in der Kirche!' bin ich mir ziemlich sicher, dass ich zu Typ 4 gehöre. Ich mache ehrliche Kritiken, was mir gefällt, was nicht, was man verbessern könnte, was derjenige gut gemacht hat und so weiter... Aber wenn ich keine Zeit habe, dann verschiebe ich das Review auf ein ander mal, und mache es nicht so wie Typ 1, 2 oder 3: 'geilööö' - Je mehr unsinnige Vokale, desto besser, wie gesagt. Aber so ein Review hab ich echt in meinem ganzen Leben noch nieee gemacht, o Grauß.
Harryo
 


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