"Die Überarbeitung" by InOtherWords auf www.fictio




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"Die Überarbeitung" by InOtherWords auf www.fictio

Beitragvon Cicilien » 06.12.2009, 20:42

Freundlicherweise haben uns die Admins unserer Partnerseite, www.fictionfans.de, die Erlaubnis gegeben, einige ihrer wirklich tollen und fabelhaften Artikel bei uns auszustellen. Vielen Dank an euch!
Dieser Artikel kommt von InOtherWords. Bühne frei!


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Die hohe Kunst des Überarbeitens

“The first draft of anything is shit.” - "Der erste Entwurf ist immer scheiße."
(Ernest Hemmingway)

Vor ein paar Monaten hätte ich Hemmingways Aussage wahrscheinlich einfach als Zynismus abgetan, doch heute muss ich dem alten Mann Recht geben. Die Anzahl der Autoren, bei denen der erste Entwurf schon dem fertigen Bestseller entspricht, dürfte wohl gegen Null gehen - nicht umsonst gehört zum Veröffentlichungsprozess von Büchern auch immer die Zusammenarbeit von Autor und Lektor. Allerdings beginnt der erste und wichtigste Schritt noch vor dem Lektor:

Der Autor selbst muss sein Werk kritisch in Frage stellen.

Nur, wo soll man da anfangen? In der Regel hat man ja schon beim Schreiben sein Herzblut in den Text gelegt und seine Gedanken bestmöglich ausformuliert. Wenn es schwerfällt, den eigenen Text kritisch zu betrachten, gibt es einen ganz einfachen Trick: Mach etwas anderes. Und lass dir Zeit damit.

Denn mit ein wenig Abstand fällt einem das Überarbeiten erstaunlich leichter. Ich kann aus persönlicher Erfahrung sprechen. Ein halbes Jahr nachdem ich das erste Kapitel geschrieben hatte, konnte ich es beim nochmaligen Lesen kaum mehr ertragen; es war schlicht und einfach nicht gut. Was also tun? Mutig sein, streichen, ändern, neu ansetzen - wenn ihr euch vorher die "alte" Version separat abspeichert kann doch gar nichts passieren.

Ist es schmerzhaft sich von Wörtern, Sätzen oder manchmal ganzen Szenen zu trennen? Auf jeden Fall. Trotzdem ist es wichtig, sich davon nicht beeinflussen zu lassen. Zumindest einmal sollte man das seinen Text so lesen, als ob er von einem anderen Autoren geschrieben wurde. Mindestens einmal so lesen, wie es ein Leser tun würde.

Die wenigstens Probleme bei der Revision der eigenen Arbeit dürften in der Regel Rechtschreibung und Grammatik bereiten, allein weil bei der Rechtschreibung die Korrektur des Textverarbeitungsprogrammes ja schon die meisten Fehler ausbügelt. Bei dem zweiten Blick auf das eigene Material sollte man sich vor allem Stil, Inhalt und Struktur des Textes widmen.

Worauf man beim Überarbeiten achten sollte:

Sprache:
Rechtschreibung, Grammatik

Layout:
Absätze, Gestaltung von Dialogen

Stil:
Satzlänge, Wortwahl, Ton, "erzählt oder erlebt"

Inhalt:
Logik, Glaubwürdigkeit der Charaktäre

Struktur:
Dramaturgie, Wahl der Erzählperspektiven

Den Prozess kann man natürlich unendlich fortführen: Schreiben - Ruhen lassen - Überarbeiten - Ruhen lassen - Überarbeiten - Ruhen lassen - usw.; die Korrekturmöglichkeiten gehen dabei bestimmt nicht aus. Doch irgendwann ist man an einem Punkt angelangt, an dem das eigene Auge, die eigene Wahrnehmung einfach nichts neues mehr entdeckt. Das ist der richtige Zeitpunkt um einen Unbeteiligten mit eurem Werk zu betrauen.

Beta-Leser

In der Fanfiction Welt gibt es für den "Zweitleser" einen Namen - Beta-Leser (oder kurz: Beta). In welcher Form der Autor und seine Beta zusammenarbeiten, bleibt ganz allein den beiden überlassen. Es gibt durchaus Autoren die für jedes Fachgebiet verschiedene Betas haben; zum Beispiel jemanden, der gute Grammatik-Kenntnisse mitbringt und jemand anderes, der Schwächen in der Dramaturgie und Logik aufzeigt. Es empfiehlt sich also vor Beginn der Zusammenarbeit abzusprechen, was man als Autor von seinem Beta-Leser erwartet.

Gute Beta-Lesern möchte man am liebsten nach jedem gegengelesenen Kapitel aus Dankbarkeit auf einen Kaffee einladen und ihnen die Füße küssen. Deswegen empfiehlt es sich, bei der Auswahl einer Beta auch, sich auf Sympathien und sein Bauchgefühl zu verlassen. Ein freier Dialog zwischen Autor und Beta ist nur möglich, wenn beide keine Scheu haben sachlich beispielsweise einen Logikfehler im Plot zu diskutieren. Zu der Zusammenarbeit gehört seitens des Autors auch, dass er fähig ist, Kritik anzunehmen. Das heißt nicht, dass der Autor immer alles umsetzen muss, was die Beta vorschlägt; im Gegenteil, es heißt vielmehr wertfrei mit der Kritik umzugehen und diese nicht auf die eigene Person zu beziehen.

Konstruktive Kritik

Das selbe gilt natürlich auch für den Beta-Leser. Mit einem simplen "das ist unlogisch/falsch/schlecht" ist es nicht getan, sondern sinnvolle, konstruktive Kritik ist erstrebenswert. Also eine Kritik, die darauf abzielt etwas zu verbessern; zum Beispiel: "das ist unlogisch, weil ...., wie wäre es stattdessen wenn ...". Kritik muss im Übrigen natürlich nicht immer nur negativ sein, auch eine positive Beurteilung wichtiger Szenen oder die Bestätigung der Glaubwürdigkeit der Charaktäre durch den Beta-Leser helfen dem Autor.

Der Lohn der harten Arbeit

Auch wenn es ein wenig abgedroschen klingt, das wichtigste Erfolgserlebnis ist die Erkenntnis, dass man seinen Text entscheidend verbessert und vielleicht sogar perfektioniert hat. Und wenn dann auch noch schöne Reviews der Leser folgen, ist das das Sahnehäubchen obendrauf.

Letzten Endes ist die Welt nicht schwarz-weiß, sondern grau. Und sowohl in jedem schlechten als auch in jedem guten Manuskript steckt eine Menge, die man noch verbessern kann. In diesem Sinne, lasst euch nicht von Hemmingway entmutigen und bewahrt euch die Freude am Schreiben.

"Make every word count." - "Jedes Wort zählt."
(Sol Stein)


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„Die Welt wie wir sie bisher kannten, wird es bald nicht mehr geben. Wir ziehen wieder in den Krieg! Die schwarze Bruderschaft erhebt sich erneut, um ihren rechtmäßigen Thron einzufordern und niemand wird uns dabei aufhalten. Aro muss sterben! Wir werden die ganze unsterbliche Welt in Atem halten, denn nun heisst es siegen oder für immer fallen!
Dieser Krieg beginnt jetzt!"


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