Atem der Nacht - Robin McKinley




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Atem der Nacht - Robin McKinley

Beitragvon feane » 04.08.2011, 12:23

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Titel: Atem der Nacht (orig: Sunshine)

Autor: Robin McKinley

Verlag: Bastei Lübbe

Preis: 8,99 €

Meinung: (again von meiner amazon-Rezi :'D)
Normalerweise hätte ich im Moment kein neues Buch angefangen, in dem es um Vampire geht. Aber der Klappentext hat mich dann doch neugierig gemacht, und die Aussicht auf eine Geschichte, in der die Welt von der Existenz der Vampire weiß und dennoch normal weiterlebt (mit diversen gesetzlichen Änderungen versteht sich), klang vielversprechend.

Wer jetzt jedoch eine normale Liebesgeschichte erwartet, in der A mit B irgendwie zusammenkommt, obwohl sie es vielleicht nicht dürfen oder eigentlich nicht können, der sollte dieses Buch dann doch nicht lesen. Hier geht es vielmehr um die Veränderung einer jungen Frau, nachdem sie von Vampiren entführt und zusammen mit einem anderen Vampir in einen Raum gekettet wird, und entgegen ihrer Erwartung am Morgen immer noch am Leben ist und plötzlich das "Leben" eben dieser Kreatur in ihren Händen hält. Ich will nicht abstreiten, dass die beiden fortan ein besonderes Band miteinander teilen, das sich durch die gesamte Geschichte zieht und gewichtig für den Verlauf ist. Aber dennoch ist es nicht Hauptziel des Buches, ihre Beziehung zu definieren. Es geht um vielmehr und man muss wirklich teilweise zwischen den Zeilen lesen, um bestimmte Dinge zu verstehen. Denn ohne das wird man am Ende nicht verstehen, warum für die Hauptprotagonistin alles anders und doch gleich ist. Erfahrungen formen die Person und führen zu Veränderungen.

Der Vampir selbst bleibt bis zum Schluss zu einem gewissen Grad bedrohlich, seine Erscheinung verändert sich auch durch die Augen der Protagonistin nicht zu etwas menschlicherem. Ihn umgibt bis zum Schluss eine gewisse Andersartigkeit, die ihn als Vampir umso überzeugender wirken lässt. Und was noch schöner an dieser seltsamen Beziehung der beiden ist: SIE will IHM nicht an die Wäsche. Oder andersrum.
Die Fremdartigkeit und zugleich Vertrautheit bleibt undefinierbar.

Was vielleicht nicht jedermanns Sache ist, ist der Erzählstil. Das Buch ist in der Ich-Form geschrieben und die Hauptakteurin neigt sehr häufig dazu, mitten in der Handlung in ihren Überlegungen abzuschweifen, wodurch es immer wieder kleinere Unterbrechungen gibt. Dennoch für meinen Geschmack nicht gravierend genug, es negativ anzusehen. Vielmehr ist es so, dass man dadurch noch einen besseren Einblick sowohl in ihre Persönlichkeit hat als auch in die Sichtweise und Beschränktheit der meisten Menschen in dieser ungewöhnlichen Welt. Ihre Gedankengänge sind keine runtergeratterten, stereotypen Beschreibungen der Umgebung, sondern Überlegungen, wie man selbst sie in fast jeder erdenklichen oder ähnlichen Situationen führen würde. Und dass sie hin und wieder den Leser direkt anspricht, verschafft dem Ganzen das Bild, dass sie sowohl sich selbst als auch dem Leser ihre Geschichte erzählt.

Was auch sehr ungewöhlich ist und womit man im ersten Moment vielleicht ein wenig überrumpelt wird, ist die Tatsache, dass es in dieser Welt nicht nur Vampire gibt, deren Existenz laut Gesetz schlicht und ergreifend "illegal" ist, sondern auch andere Wesen wie Dämonen, Ghule, Feen und Magietreibende. Wer jetzt aber auf einen bunt zusammengewürfelten Haufen merkwürdiger Kreaturen schließt, irrt sich. Denn im Grunde ist das Aussehen bei allen Wesen menschlich (abgesehen von etwaigen klitzekleinen Änderungen in der Aura oder den Bewegungen, die einem evtl verraten könnten, dass es sich nicht um einen Menschen handelt), nur ihr Blut und die damit verbundenen Eigenschaften/Fähigkeiten anders.
Die Existenz dieser Wesen nimmt in dem Buch allerdings keinen großen Platz ein, sondern wird lediglich hin und wieder erwähnt, so wie die Menschen einfach mit dem Wissen leben, dass es sie irgendwo gibt, ohne vielleicht zu ahnen, sogar mit einem von ihnen befreundet oder gar mehr zu sein. Hauptaugenmerk ist immer noch der Kampf zwischen Mensch und Vampir.
Worum es in dieser Hinsicht auch vielmehr geht, ist die Erkenntnis, dass sich auch in dieser Welt der Mensch mal wieder über allen anderen stellt und dass alle anderen Wesen minderwertig sind, demnach schlechtere Karrierechancen haben und allgemein ein viel geprägteres Leben durch unbegründete Anfeindungen führen müssen. Und dabei verliert die Menschheit ganz aus den Augen, dass es unter ihnen bereits eine größere Rassenvermischung gibt, als sie womöglich ahnen.
Während diese Kreaturen also als minderwertig abgestempelt werden, ist das Leben als Vampir schlicht und ergreifend illegal, wodurch die Existenz dieser gesamten Rasse demnach als Feind anerkannt wird, begründet auf Legenden und über die Jahrhunderte manifestierte Ängste, ohne dabei in Erwägung zu ziehen, dass es auch unter ihnen Gut und Böse geben könnte.

Ein Buch, das man auf keinen Fall mit Twilight vergleichen kann, bei dem man wirklich zwischen den Zeilen lesen muss und das aufgrund der Erzählweise vielleicht nicht für jedermann geeignet ist, da all die abschweifenden Gedankengänge für einige wirklich so wirken, als würde die Autorin nicht auf den Punkt kommen, für mich persönlich aber wichtig sind, um sich in die Welt zu fühlen. Denn diese machen das Buch erst lebendig.

PS: Was mir auch sehr gefallen hat: Die Autorin nimmt auch kein Blatt vor den Mund. Die Protagonistin ist keine Jungfrau mehr, und wenn ein menschliches Bedürfnis ruft, dann wird das auch nicht irgendwie verschönigt oder umschrieben.
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von Anzeige » 04.08.2011, 12:23

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Re: Atem der Nacht - Robin McKinley

Beitragvon lustiges-dingens » 07.08.2011, 16:53

Oh, das klingt echt interessant. Wird schon auf meine Einkaufsliste gesetzt :mrgreen:
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